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Donnerstag,
der 8. Februar 1990

Die Regierung beschließt auf Drängen des Runden Tisches die Bildung eines staatlichen "Komitees zur Auflösung des ehemaligen Amtes für Nationale Sicherheit". Es soll als zentraler Nachlaßverwalter die praktische Stasi-Abwicklung leiten. Die Arbeitsgruppe Sicherheit des Runden Tisches informiert darüber, daß die Stasi Daten von sechs Millionen DDR-Bürgern gespeichert hat. Die vielfältigen Akten sollen unter Kontrolle von Bürgerkomitees in Bezirksdepots gesichert werden.

US-Außenminister James Baker schlägt Michail Gorbatschow größere Truppenreduzierungen in Mitteleuropa vor, wenn sich die Sowjetunion im Gegenzug zur Anerkennung der deutschen Vereinigung bereitfindet, wobei die näheren Modalitäten von den vier Siegermächten des Zweiten Weltkrieges noch mit den beiden deutschen Staaten verhandelt werden könnten.

Die britische Premierministerin Margaret Thatcher erkennt erstmals an, daß die bevorstehenden Wahlen in der DDR "wahrscheinlich zur Wiedervereinigung Deutschlands" führen werden. Im Unterhaus in London spricht sie sich dafür aus, so bald als möglich die notwendigen Auswirkungen auf die NATO zu erörtern.

Israels Vize-Außenminister Benjamin Netanjahu hält eine Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten für unvermeidlich. In der Knesset (Parlament) in Jerusalem sagt er, die israelische Regierung hoffe, daß die Wiedervereinigung nicht erneut einen "mörderischen deutschen Nationalismus" hervorbringen wird.

Dem Vorsitzenden der rechtsradikalen Republikaner, Franz Schönhuber, wird erneut die Einreise in die DDR verwehrt. Grenzsoldaten weisen ihn am Berliner Übergang Checkpoint Charlie zurück mit den Worten: "Sie sind eine in der DDR unerwünschte Person."
Die DDR will in den kommenden sechs Monaten 10.000 bis 15.000 enteignete Betriebe an ihre rechtmäßigen Besitzer in der DDR zurückgeben und erhofft sich davon eine Ankurbelung der Wirtschaft. Das kündigt der Präsident des Unternehmerverbandes der DDR, Rudolf Stadermann, an. Die überwiegend mittelständischen Unternehmen waren den Eigentümern 1972 gegen eine geringe, eher symbolische Entschädigung abgenommen worden.
Ministerpräsident Modrow teilt dem Kabinett mit, daß er über die jüngsten Beschlüsse in Bonn zur Währungsunion offiziell bisher nicht informiert worden ist. Er kenne auch nur die Berichte der Medien. Mit den neuen Kabinettsmitgliedern aus oppositionellen Parteien und Gruppen berät er über die Einführung eines Arbeitslosengeldes und einer Vorruhestandsregelung, da die Arbeitslosenzahlen ständig steigen.

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