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Umweltprobleme in der DDR

Die SED hatte sich in den 50er Jahren zum Ziel gesetzt, den Sozialismus in der DDR aufzubauen und andererseits in Konkurrenz zum "Wirtschaftswunder" in der Bundesrepublik zu treten. Die Folge war eine rigorose Wirtschaftspolitik, die die natürlichen Ressourcen extrem schädigte: Die extensive Braunkohleerschließung in den Tagebauen zerstörte die Landschaft und bewirkte eine Grundwasserspiegelabsenkung, die Braunkohlekraftwerke belasteten die Luft. Die Chemieindustrie, u.a. in Leuna, Bitterfeld und Schwarze Pumpe, verursachten durch ihre veralteten Technologien extreme Luftverschmutzung bei ständig hohem Produktionsausstoß. Im Straßenverkehr erhöhten die Abgase der Zweitakt-Motoren die Umweltbelastung. Die Situation verschärfte sich durch die noch stärkere Akzentuierung von Konsum und Produktivität der SED-Gesellschafts- und Wirtschaftspolitik Anfang der 70er Jahre. In dieser Zeit, 1972, wurde in Stockholm die erste Umweltkonferenz der Vereinten Nationalen veranstaltet und der Club of Rome legte seine Studie "Grenzen des Wachstums. Bericht ... zur Lage der Menschheit" vor. In der DDR machten sich Parteifunktionäre und Wissenschaftler die Position zu eigen, dass die in der Studie genannten Probleme "im Vorwärtsschreiten" der sozialistischen Welt gelöst würden. Währenddessen waren in der Landwirtschaft die Felder verfestigt und als Folge der Monokulturen überdüngt. Thüringer Wald und Erzgebirge wurden durch Waldsterben gefährdet. Doch die SED beharrte bis in die 80er Jahre auf einer Politik der Zurückhaltung von Informationen, Rechtfertigung und Apologetik der bestehenden Zustände. Wer öffentlich für den Umweltschutz eintrat, wurde von SED und staatlichen Machtorganen als Regimegegner kriminalisiert.

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