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Belletristik

Sparschuh, Jens: Der Zimmerspringbrunnen

Köln: Kiepenheuer & Witsch 1995

Sparschuh, Jens: Der Zimmerspringbrunnen

Hinrich Lobek, abgewickelter Angestellter der Kommunalen Wohnungsverwaltung in Ost-Berlin, seit drei Jahren arbeitslos, leidet still, aber heftig unter den Folgen der totalen Wessifizierung seines sozialen Umfeldes wie seiner privaten Lebensgewohnheiten. Westschrippen zum Frühstück, die er verächtlich "importierte Luftikusse" nennt, reichen aus, um ihm den ganzen Tag zu vergällen. "Wenn man sich von vornherein auf die Seite der Verlierer stellt, ist man natürlich immer im Vorteil - als moralischer Sieger!", hält ihm seine berufstätige Ehefrau Julia vor. Ein bedeutungsschwerer Satz - "richtig geschluckt habe ich ihn, offen gesagt, nie", bekennt Lobek, entdeckt aber schließlich in seiner Vergangenheit als "überzeugter Vertreter der sozialistischen Ordnung" seine Zukunftschance. Mit der Behauptung "langjährige Erfahrungen im Vertreterbereich" und einem tiefer Not entwachsenen Quentchen schöpferischer Phantasie gelingt ihm eine rasante Karriere als Vertreter für Zimmerspringbrunnen der besonderen Art - eine veritable Marktlücke im Beitrittsgebiet Ost. Jens Sparschuhs ironischer "Heimatroman" ist eine glänzend geschriebene Satire auf das Zusammenwachsen von Ost und West.

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