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Francois Mitterand

geb. 26. Oktober 1916 Jarnac
gest. 8. Januar 1996
Francois Mitterand

Mitterand wurde am 26.10.1916, während des ersten Weltkrieges in einem katholischen, konservativen Elternhaus in Jarnac (Département Charrante)geboren. Nach einem Studium der Soziologie und der französischen Literatur und später Jura in Paris wurde er 1939 in die französische Armee eingezogen und geriet ein Jahr darauf in deutsche Kriegsgefangenschaft. Er konnte jedoch fliehen und arbeitete seit 1942 für die (mit dem nationalsozialistischen Deutschen Reich kooperierende) Vichy Regierung. Unter der Hand hielt er allerdings Kontakt zum französischen Widerstand. Im Winter 1943 wurde er deshalb von der deutschen Geheimpolizei gesucht und musste nach London fliehen. Dort gehörte er der von de Gaulle gebildeten Exil-Regierung an.
Nach dem Ende des Krieges und dem Ende des deutschen Besatzungsregimes in Frankreich gehörte Mitterrand dem Parlament an. Seit 1947 bekleidete er verschiedene Staatssekretärs- und Ministerposten – Kolonialminister, Staatsminister, Innenminister, Justizminister - in den französischen Regierungen. Er entwickelte sich dabei zunehmend zu dem entscheidenden linken Widersacher de Gaulles und weiter zum Führer der Linken. 1958 hatte er den Chef der ehemaligen Exilregierung Frankreichs sogar als "neuen Diktator“ bezeichnet. Bei den Präsidentschaftswahlen 1965 konnte Mitterand überraschend 44, 8 Prozent der Stimmen auf sich vereinigen. Er trat an als Spitzenkandidat der Linken, wurde in der Stichwahl gegen de Gaulle allerdings unterstützt von Zentristen und einer Rechtspartei.
Ab 1971 war er Vorsitzender der neu konstituierten Parti Socialiste Francais (PSF) und beförderte das Bündnis mit der kommunistischen Partei Frankreichs (PCF), der "Union de la Gauche“, das 1972 geschlossen wurde. Zwar unterlag Mitterand bei den Präsidentschaftswahlen von 1974 erneut einem Kandidaten des bürgerlichen Lagers - Giscard d'Estaing -, aber auch dieses Mal nur knapp. Diesmal kam er auf 49,19 Prozent der Stimmen. Erst 1981 gelang es ihm dann - ein zweites Mal 1988 - zum Staatspräsidenten gewählt zu werden. Er war damit nach dem Krieg das erste sozialistische Staatsoberhaupt Frankreichs.
Mitterand trieb die Europäische Union zusammen mit dem deutschen Bundeskanzler Helmut Kohl entscheidend voran. Das Regierungsbündnis mit den Kommunisten brach 1984. Entscheidend waren dabei die krisenhafte ökonomische Lage Frankreichs und die harte Austeritätspolitik, die Mitterand seinem zweiten Ministerpräsidenten, Laurent Fabius, verordnete. Am 17.05.1995 schied Mitterand aus seinem Amt. Sein Nachfolger wurde Jaques Chirac.
Insbesondere in den letzten Jahren seiner Amtszeit nahm die französische Öffentlichkeit Mitterand kritischer wahr. Als Paul Touvier 1989 verhaftet wurde, entstand der Eindruck, Mitterand habe mit ihm in Kontakt gestanden. Touvier hatte zu den Zeiten des Vichy Regimes Judenverfolgungen und Repression gegen die Resistance angeordnet. Bis zu Mitterands Tod wurde auch nicht geklärt, welcher Art seine Beziehung zu dem wegen der Deportation von Juden verurteilten Holocaust-Mittäter Maurice Papon war. Mitterand wurde vorgeworfen, Papon, der erst 1997 verurteilt werden konnte, jahrzehntelang geschützt zu haben. 1992 wurde außerdem bekannt, dass Mitterand 1987 am Grab von Marshall Philippe Pétain, Symbol der Vichy Regierung, einen Kranz niedergelegt hatte. Außerdem veröffentlichte der Journalist Jean Montaldo 1994 ein Buch, in dem er Mitterand beschuldigte Korruption in seinem politischen Freundeskreis geduldet zu haben. Als Mitterand die politische Bühne verließ war seine Glaubwürdigkeit in der französischen Öffentlichkeit stark angeschlagen. 1996 starb Francois Mitterand an Prostatakrebs, den Ärzte bereits vor seiner ersten Amtszeit festgestellt hatten.
Bei allem Engagement für Europa war Mitterand immer besorgt, Deutschland könne in Europa zu mächtig werden. Die Folgen deutscher Macht hatte Frankreich mehr als einmal am eigenen Leibe erfahren müssen. Nur zögerlich ließ Mitterand sich deshalb von den Chancen der deutschen Einigung überzeugen. Als die Vereinigung der beiden deutschen Staaten kurz vor der Tür stand, leistete er deutlich sichtbaren Widerstand. Er wurde mit der Ansicht zitiert, er liebe Deutschland so sehr, dass er am liebsten zwei davon hätte. Er setzte sich fortan starkt für die Europäische Währungsunion ein, um Deutschland stärker einzubinden.

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