www.das-erste.de www.chronik-der-wende.de www.chronik-der-wende.de english version

Hans-Joachim Böhme

geb. 25. April 1931 Leipzig
gest. 11. Mai 1995

Studium der Pädagogik in Leipzig; 1952 SED; 1953-1955 Lehrer bzw. Assistent an der Universität Leipzig; in den 50er Jahren Sekretär der SED-Kreisleitung der Universität Leipzig und Leiter der Studienabteilung an der DDR-Botschaft in Moskau; 1968-70 Staatssekretär und 1. stellvertretender Minister, 1970-1989 Minister für Hoch- und Fachschulwesen; 1973-1989 Mitglied des ZK der SED; 1970 Professor an der Humboldt-Universität Berlin, 1981 Dr. der Universität Leningrad; 1989 Rücktritt mit der Regierung Stoph und dem ZK der SED; anschließend arbeitslos; Anklageerhebung wegen "untreuer Handlungen auf Kosten des sozialistischen und Parteieigentums", mangels Beweisen eingestellt; im Mai 2000 beginnt vor dem Landgericht Berlin der Prozeß wegen "Totschlags an DDR-Flüchtlingen"; im Juli 2000 wurde er sensationell freigesprochen, weil die Kammer die These der Staatsanwaltschaft nicht nachzuvollziehen vermochte, dass Böhme den Schießbefehl tatsächlich hätte stoppen können; dieses Urteil hatte der Bundesgerichtshof am 6. November 2002 wieder aufgehoben; die Untätigkeit Böhmes und seiner Mitangeklagten war sowohl nach DDR-Recht als auch nach dem Strafgesetzbuch der Bundesrepublik strafbar; Böhme wurde nach DDR-Recht auf Bewährung verurteilt; es wurde eine Haftstrafe von 15 Monaten für den Fall des Bewährungsverstoßes angedroht; nach Auffassung des Gerichts ist Böhme als damaliges Mitglied des höchsten Entscheidungsgremiums der DDR mitverantwortlich für den Tod von drei DDR-Flüchtlingen, die in den Jahren 1986, 1987 und 1989 von Grenzsoldaten an der Berliner Mauer erschossen wurden.

zurück
weiter